Cleo - Katzengeschichten
von Bengt Hoffmann (Deutsch)
Cleo und ich
Ich, Student, wohnte schon einige Jahre in der kleinen Einzimmerwohnung im ersten Stock in Berlin- Steglitz. Als ich eines Tages nach Hause kam, sah ich sie auf dem Fensterbrett einer Wohnung im Erdgeschoss des Vorderhauses sitzen. Eine kleine getigerte Katze mit weißen Pfötchen und weißem Latz, die bequem auf meiner Handfläche Platz hatte.
Sie wäre auf einem Bauernhof fast gestorben. Ihre Mutter wurde überfahren und man hatte versucht, sie mit Kuhmilch und Brekkies aufzupäppeln. Doch in dem Alter, wo andere Katzenbabys noch Muttermilch bekommen, da bewirkt solche Kost nur Durchfall. So hatte Cleo Haarausfall und war so dünn, das man annehmen könnte sie käme aus Äthiopien. Jedenfalls hat meine damalige Nachbarin Cleo von dem Bauernhof mitgenommen.
Als wir uns nun zum ersten mal sahen, war das wie Liebe auf den ersten Blick. Ich sah sie auf dem Fensterbrett sitzen. Sie sah mich und schloss die Augen ganz langsam auf und zu. Ich war hin und weg. Als ich sie in den Arm oder besser in die Hand nahm und diese kleine Mieze mit den Fingern streichelte, merkte ich, das diese Zuneigung nicht einseitig war. Dieses kleine Wollknäuel von Miezekatze schaute mich unentwegt an. Als ich ihr in die Augen sah, schloss sie ihre leicht, als würde sie ganz zart mit mir flirten wollen. Wir waren verliebt.
Es war nicht ganz einfach meine Nachbarin davon zu überzeugen, das diese Mieze einfach zu mir gehören musste. Doch die Tatsache, das sie bereits zwei Katzen besaß und ich ihren Wagen dafür auf Hochglanz polierte, machten sie gefügig.
Cleo Sinn für Hygiene
Von Anfang an war Cleo stubenrein. Es war für sie überhaupt kein Thema, wo man auf Klo geht. Aufs Katzenklo natürlich. Es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, woanders aufs Klo zu gehen. Wahrscheinlich hatte sie das von den zwei Katzen meiner Nachbarin gelernt, wo sie anfangs wohnte. Damals, bevor ich sie kennen gelernt und meiner Nachbarin abgeschwatzt hatte. Jedenfalls war Cleo was das Geschäft verrichten anging, sehr pingelig und genierte sich ein wenig.
Als wir wieder einmal morgens das Haus verließen, rannte sie plötzlich wieder zur Haustür zurück und wollte unbedingt ganz dringend wieder rein. Es kam mir vor, als habe sie etwas vergessen. Und so schloss ich noch mal die Wohnungstür auf und ließ sie hinein. Sie flitzte um die Ecke und ins Bad um dann, kaum im Katzenklo angekommen, zu pullern. Jetzt konnte Cleo wieder ganz entspannt draußen spielen. Es hatte den Eindruck gemacht, die kleine Miezekatze hätte sich beinahe in die Hose gemacht.
Cleos Vorstellungen von einem sauberen Katzenklo gehen manchmal finde ich, ein bisschen zu weit. Manchmal, wenn Sie zum Beispiel der Auffassung ist, das Klo ist zu dreckig und hätte dringend gesäubert werden müssen, so ist dies leicht zu erkennen. Dies demonstriert sie mir in eindrucksvoller Weise. Sie geht dann in die Küche , und pult den verschlossenen Katzenstreusack auf, klettert hinein und verrichtet hier in dem frischen Katzenstreu ihr Geschäft.
Sonderlich angetan bin ich nicht von Cleos Katzentoilettenbesessenheit. Hatte ich doch dadurch andauernd das Katzenklo zu putzen.
Aber dafür hatte ich halt eine oberstubenreine Katze mit guten Manieren und breitem Grinsen.
Bäumeklettern für Anfänger
Das mit dem Bäumeklettern hat Cleo jetzt schon oft durchgespielt. – Nun ja, von der Theorie jedenfalls. Und ein wenig praktische Kratzbaumerfahrung hat sie auch schon. So kommt sie oft angespurtet und kann in gleichem Tempo weiter den Kratzbaum bis zum Podest hinauf rennen. Hier dauert es etwas, bis sie sich auf die kuschelige Plattform hochgeangelt hat. Aber das geht auch schon ganz ordentlich. Pah – runter klettern kann ja jeder, denkt sie wahrscheinlich bei sich, denn sie genießt es jedes Mal vom Kratzbaum hinunter auf meine „unordentliche Pulliecke“ zu springen. Doch dann kam der große Tag. Genug der Theorie. Sie wollte raus und mir zeigen, was sie alles kann. Wir gingen hinunter zu der großen Birke vor dem Haus. Ich war tief beeindruckt, wie diese kleine Mieze die große Birke erklomm. Sie war stolz und gab ein wenig an, indem sie ab und zu nach mir blickend, immer höher kletterte. Da machte sie endlich eine Verschnaufpause. Mau – sagte sie, als riefe sie mir zu, guck mal! Sie war beeindruckend weit hoch. Ich glaube das fiel ihr plötzlich auch auf und zwar unangenehm. Denn das zweite und dritte Mau klang bei weitem nicht mehr so stolz wie das erste. Ja eher etwas jammernd. Eine Art Katzenjammer würde ich sagen. Cleo war also gar nicht mehr wohl, in dieser Höhe und ach du Schreck, jetzt viel ihr ein, dass sie beim Kratzbaumklettern ja etwas beim Üben geschludert hatte. Das Hinabklettern hatte sie sich ja stets durch einen spaßigen Sprung in die „unordentliche Pulliecke“ erspart. Und ein präzises Hinunterklettern war jetzt angesagt. Gerade bei dieser Höhe. Es war ihr egal, das Katzen, wenn sie fallen, immer auf allen vier Pfoten landen. Vielleicht die großen erwachsenen Katzen... Jedenfalls nicht die Minimieze Cleo. Sie fing an, jämmerlich zu Mauzen. Sie schämte sich für ihren Übermut und das sie unbedingt „Papi“ zeigen musste, was für eine tolle Klettermieze sie war. Und vor allem, dass sie beim Üben geschummelt hatte.
Runter wollte sie auf die Erde oder noch viel lieber in Paps Arm.
Ich bin ja kein Rabenvater sondern ein Minimiezenpapa und so zog ich mir einen Blaumann an. Das ist so ein Ganzkörperoverall, den KFZ- Mechaniker anhaben. So konnte ich an dem mit Moos bewachsenen Stamm hinaufklettern ohne mich vollends einzusauen. Auf den Rücken schnallte ich mir einen großen Leinenrucksack. So bepackt kletterte nun auch ich am Baum hoch in Richtung Cleo. Ihr Mauzen klang von Ast zu Ast, den ich ihr näher kam, glücklicher. Und als ich sie endlich erreichte, war ihr Schnurren kaum noch zu bremsen. Ich nahm sie in den Arm und knuddelte sie. Glücklich strahlten mich ihre kleinen Tigeraugen an.
Doch nun begann der Abstieg. Hierzu hatte Cleo kapiert, dass es ihre Aufgabe war, sich im Rucksack festzuhalten und das Hinabklettern genau zu beobachten. Sie wollte das ja schließlich auch später alleine hinbekommen. Drei mal musste ich Cleo noch von einem Baum herunter holen. Jedoch waren wir jetzt ein eingespieltes Team. Wir brauchten keinen Rucksack mehr. Ich musste nur auf die Höhe von Cleo klettern. Dann sprang sie auf meine Schultern und dankte mir erst einmal für ihre Rettung, indem sie ihr Köpfchen ganz lieb an meinen Kopf schmiegte und schnurrte. Nun hielt sie sich an meiner Schulter fest und ich begann mit dem Abstieg. Ich hatte eine dicke Jacke an und so konnte sich Cleo mit ihren Krallen gut festhalten ohne das mir das weh tat. Tja und bald konnte Cleo klettern wie der große Bergsteiger Reinhold Meßmer....
Cleo in der Kita
Manchmal habe ich einen sehr langen Arbeitstag. Da bin ich kaum wenn es hell geworden ist aus dem Haus und komme erst wieder, wenn es schon lange dunkel ist und die Sterne am Himmel stehen.
So lange will ich Cleo nicht alleine lassen. Vorallem wenn es kalt ist. Auch muss dem Miezekätzchen dann der Magen vor Hunger so knurren, dass ich es selbst in der Universität hören müsste. Zur Kita laufen wir dann immer. Naja für Miezekatzen müsste es eigentlich Kata also Katzentagesstätte heißen. Auf jeden Fall ist es nicht weit. Wir müssen nur unserer Straße entlang laufen und zweimal abbiegen. Es ist im wahrsten Sinne ein Katzensprung. Ich bringe dann Cleo zu meiner Mutter, die sich jedes Mal riesig darauf freut, durch Cleo Gesellschaft zu haben. Cleo sieht dann, wie man bügelt, Kuchen backt, putzt und diesen lauten Staubsauger betätigt. Sie ist eine sehr wissbegierige Zuschauerin und hat bestimmt schon das eine menge gelernt. Wenn Cleo dann spielen will, bindet sich meine Mutter einfach einen Wollfaden um den Fuß und lässt ein Ende etwas länger. Wenn sie dann durchs Haus läuft , folgt Cleo. Stets auf der Jagd nach dem Ende des Wollfadens. Manchmal vergisst meine Mutter dann den Faden wieder abzumachen. Da sieht es dann recht albern aus, wenn sie bei Reichelt an der Kasse steht und einen Wollfaden hinter sich her zieht.
Abends hole ich Cleo dann wieder ab und wir laufen gemeinsam nach Hause. Cleo versteckt sich immer hierbei und rennt nur kurz an mir vorbei, um mir einen Klaps zu geben. So sehe ich, das sie noch da ist und wie geschickt sie sich verstecken, anschleichen und zuschlagen kann. Sie ist halt schon ein ziemlicher Räuber, meine kleine Minimieze.
Cleo kommt nicht nach Hause
Ich kam von der Uni nach Hause. Cleo verlässt für gewöhnlich mit mir zusammen die Wohnung und treibt sich tagsüber draußen herum. Sie neckt den dicken Nachbarkater und spielt mit der schwarz weiß gefleckten Nachbarkatze fangen. Wenn ich dann mit dem Roller oder dem Auto heimgefahren komme, hört sie das schon von weitem. Freudig kommt sie dann angaloppiert um von mir auf den Arm genommen zu werden. Diejenigen, die daran zweifelten, das Cleo mein Kommen erkennen konnte und sofort angerannt kam, staunten stets wenn sie es mit eigenen Augen sahen, mit welchem Tempo diese Mieze angerannt kam und vor Glück strahlte, so gut es eine kleine Minimieze nur konnte. Jedenfalls kam an diesem Tag Cleo nicht angerannt. Sie kam auch nicht als ich sie rief. Sie musste langsam auch sehr hungrig sein. Ich machte mir Sorgen. Hoffentlich ist ihr nichts zugestoßen. Ich ging raus und rief wieder nach ihr. Nichts. Langsam wurde es Nacht. Ich hatte Angst um sie. Alleine einschlafen war unmöglich. Und so zog ich mich an und durchkämmte die Straßen in der näheren Umgebung. Auf mein Rufen kam keine Antwort. Ich war am Verzweifeln und den Tränen nahe. Plötzlich bildete ich mir ein, ein ganz klägliches Mauzen gehört zu haben. Ich rief noch mal. Tatsächlich. Von weit entfernt kam ein einzelnes Mau zurück. Ich ging in die Richtung aus der die Stimme kam. Dabei musste ich durch fremde Gärten laufen und über fremde Zäune klettern. Ja wie ein Einbrecher kam ich mir vor. Doch das Mau wurde immer lauter. Da sah ich sie. Cleo saß auf einer Fichte und sagte ganz leise Mau. Warum kam sie nicht herunter dachte ich. Das Klettern hatten wir doch erfolgreich geübt und sonderlich schwer sah der Baum als Kletterobjekt nicht aus.
Ich ermunterte Cleo, herunter zu klettern, als ich näher kam, doch sie sagte nichts mehr und machte keinerlei Anstalten herunter zu klettern. Auf einmal krachte es im Gebüsch unter dem Baum und ein Fuchs kam an mir vorbeigeschossen. Jetzt war mir klar, warum Cleo nicht herunter klettern wollte und nur so leise mauzte. Sie wollte nicht von dem Fuchs gefressen werden, der dort unten auf sie gewartet hatte. Extra hatte sie nur miaut, damit sie nicht noch mehr Füchse anlockt. Aber als sie mich hörte, hat sie zum Glück laut zurückgerufen, so dass ich sie hören konnte. Jetzt war Cleo gerettet. Eng aneinander gekuschelt schliefen wir ein, nachdem Cleo noch einen riesigen Berg Katzenfutter in sich hineingestopft hatte. Ich war froh und glücklich. Cleo stupste mich mit der Tatze an und schnurrte.
Cleo als Bademeister
Cleo sorgt sich sehr um ihren Papi. Ganz besonders beängstigt ist sie, wenn er baden geht. Sie ahnt sie schon schlimmes, wenn das Badewasser eingelassen wird und ihr Papi sich ausziehen beginnt. Dann wird sie unruhig und fängt besorgt an zu mauzen. Wenn ich dann in die Badewanne steige um mich zu entspannen wird es für Cleo eher gegenteilig. Sie sitzt dann auf dem Beckenrand am Kopfende und stupst mich ab und zu an. Wahrscheinlich will sie wissen, ob es mir noch gut geht und ob ich nicht lieber wieder die Wanne verlassen will. Sie kann es sich nicht vorstellen, sich in Wasser hinein zu legen. – und das noch freiwillig -. Zugegeben, es ist zwar wohlig warm. Aber es ist immer noch nass. Eines vermag Cleo jedoch zu begeistern. Ein Schaumbad hat schon etwas faszinierendes an sich. Besonders diese Landschaft aus Schaum. Die richtig wegfetzt, wenn man mit der Tatze auf den Schaum schlägt. Meist bekommt Papi dabei eine ganze Ladung Schaum ins Gesicht.
Aber unheimlich ist es ihr doch, wie lange ich so in der Wanne verweilen kann und so ist sie jedes Mal sichtlich erleichtert und fängt an zu schnurren, wenn ich endlich das Wasser verlasse. Ich rieche jetzt zwar besser als vorher aber das ist Cleo egal. Sie mag mich auch wenn ich stinke. Vielleicht sogar dann ein kleines bisschen mehr.
Was Hunde können ...
Was Hunde können kann Cleo schon lange. An einem Wintertag, es lag bereits etwas Schnee, ging ich mit Cleo spazieren. Cleo geht gerne spazieren. Man muß sich das vorstellen, wie mit einem Hund. Nur das Cleo vor rennt, sich versteckt, einem Auflauert, einen kurz mit einem Klaps gegens Bein angreift und dann wieder vorrennt. Anderen Hundebesitzer, die wir hierbei treffen ist das sehr suspekt. Sie können schlecht verstehen, das auch Katzen gerne mit ihrem Paps (Herrchen spazieren) spazieren gehen. Jedenfalls sind wir zum Park vom Krankenhaus spaziert, der bei uns ganz in der Nähe ist. Eine Frau spielt dort mit Ihrem Hund, indem sie einen Ball wirft und der Hund hinterher rennt und diesen zurückbringt. Cleo bemerkt der Hund nicht. Er ist zu sehr mit dem Spielen beschäftigt. Die Frau ist sichtlich überrascht als sie uns erblickt. Sie spielt jedoch stolz mit ihrem Hund weiter. Wir schauen dem Treiben eine ganze Weile zu. Selbst Cleo findet das nicht unspannend. Als ich unter einem Apfelbaum eine paar kleine rote Äpfel liegen sehe, die der Schnee noch nicht verweht hatte, kommt mir eine Idee. Als ich Cleo angucke, ist mir sofort klar, das sie den gleichen Gedanken gefasst haben müsste. Ich werfe also den kleinen roten Apfel an Cleo vorbei. Mein kleiner Mausepaul rennt wie gedacht dem Apfel hinterher und stoppt den Ball mit der Tatze. Hineinbeißen und zurückbringen will sie den Apfel nicht. Vielleicht ist er ihr zu kalt oder zu hart oder so. Jedenfalls spielen wir das Spiel stopp den Apfel. Es läuft prima. Die Hundemama ist sichtlich beeindruckt von unserem neuen Spiel indem sie fassungslos den Kopf schüttelt. Auf den Hundetrick, so tun als hätte man bereits geworfen, fällt Cleo nicht hinein. Sie rennt erst los, wenn sie den Apfel tatsächlich fliegen sieht. Vielleicht wollen Hunde sich einfach bei dem Spiel mehr bewegen... Das Spiel haben wir jedenfalls Zuhause perfektioniert. Ich werfe hier zusammengestopfte Socken, die Cleo dann fängt und tatsächlich durch einen Biss mit dem Mäulchen wieder zurückbringt. Am Lustigsten sieht es aus, wenn ich eine Socke in der Papierkorb werfe und Cleo beim Versuch die Socke herauszuholen immer fast in den Papierkorb plumpst. Aus diesem Grunde leigen jetzt ganz viele zusammengestopfte Socken in meinem Bett. Cleo und ich können jetzt sofort nach dem Wach werden spielen.
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