Ziri die Königin
von Andreas Scherer (Deutsch)
Pauli war ein wenig traurig. Sie hatte geträumt, doch bevor ihr schöner Traum zu Ende ging, war sie aufgewacht. Es musste noch mitten in der Nacht sein. Papi und Mami schliefen bestimmt noch, und auch Struppi, ihr Langhaardackel, hatte sich noch nicht bei ihr gemeldet. In ihrem Zimmer war es noch ganz dunkel, und sie konnte nicht einmal die vielen Spielsachen erkennen, die verstreut herum lagen. Dann spickte Pauli hinter den Vorhang aus ihrem Fenster und sah den Mond am Himmel inmitten unzähliger Sterne. Wie viele es wohl sein mochten? Da sie nicht einschlafen konnte, und sie nichts Besseres zu tun hatte, begann sie die Sterne zu zählen. Doch bald schon fiel es ihr sehr schwer, weil sie bei den vielen Sternen nicht mehr wusste, welche sie schon gezählt hatte, und welche noch nicht. Plötzlich bemerkte sie einen Stern gleich neben dem Mond, der immer größer wurde. Das konnte nicht sein, dachte sie. Sie wusste, dass Sterne nicht wachsen konnten. Als er immer größer wurde und jetzt schon fast so groß wie der Mond war, hatte sie ein wenig Angst der Stern könnte direkt auf ihr Haus fallen. Dann erkannte sie, dass es gar kein Stern war, sondern ein kleines Raumschiff, dass jetzt direkt über ihrem Garten schwebte.
Es war ganz rund, und unten blinken ein paar kleine Lichter in bunten Farben. Nachdem es dort eine Weile schwebte, begann es nun langsam zu sinken und direkt vor dem Haus zu landen. Mami wird bestimmt böse sein, dachte Pauli, weil das Raumschiff direkt im Gemüsegarten gelandet war. Außer ihr scheint das Raumschiff aber niemand bemerkt zu haben. Da Pauli ein mutiges Mädchen war, beschloss sie nach draußen zu gehen. Kaum hatte sie im Dunkeln ihre Schuhe gefunden, kam ihr auch schon Struppi entgegen. Er musste aufgewacht sein, als das Raumschiff gelandet war. Im Dunkeln und ganz leise, so dass Mami und Papi nicht aufwachen, lief Pauli zusammen mit Struppi nach draußen. Dort bemerkte sie erst, wie groß das Raumschiff eigentlich war. Struppi war ganz aufgeregt neben ihr und wedelte mit dem Schwanz. Als sie am Raumschiff ankam, ging vorne eine kleine Luke auf, und es wurde eine schmale Treppe herunter gelassen. Pauli überlegte kurz, ob es nicht besser wäre sich hinter dem Kirschenbaum zu verstecken. Doch während sie noch überlegte, erkannte sie plötzlich ein kleines Wesen an der Luke, das langsam die Treppe herunter stieg. Pauli staunte nicht schlecht. Es war ein kleines Mädchen, genau wie sie selbst, und das Mädchen trug ein langes goldenes Kleid und eine glitzernde Kopfbedeckung wie eine Krone. So etwas hatte Pauli noch nie gesehen! Das muss bestimmt eine Königin sein, dachte Pauli insgeheim. "Habe keine Angst." sagte die Königin. "Ich bin Ziri und komme von einem sehr sehr fernen Stern." Pauli war noch so überrascht, dass sie nicht gleich antworten konnte.
Dann sage sie etwas schüchtern. "Ich bin Pauli und das ist mein Hund Struppi." So als hätte Struppi es verstanden, wedelte er zur Begrüßung kurz mit seinem Schwanz. Ziri nickte Pauli freundlich zu, aber blieb doch ein paar Meter von Struppi entfernt. "Ich suche den Weg zur Milchstraße" sagte sie sogleich. Kannst du mir den Weg zeigen?" Pauli war etwas enttäuscht, dass sie den Weg nicht kannte und der Königin nicht helfen konnte. Sie erinnerte sich nur, dass Papi ihr einmal einen Stern am Himmel gezeigt hatte, der zur Milchstraße gehörte. "Tut mir Leid" antwortete Pauli "aber ich weiß nur, das dieser Stern zur Milchstraße gehört." Dann deutete sie auf einen der vielen Sterne und hoffte, dass es auch der richtige war. Ziri war ein wenig traurig, und so überlegte Pauli, was sie tun sollte. Dann erinnerte sie sich, dass Mami am Abend einen Kirschenkuchen gebacken hatte. Und so fragte sie Ziri, ob sie nicht ein Stück mitnehmen wolle auf dem langen Weg zur Milchstraße. Ziri war zuerste ein wenig skeptisch, weil sie auf ihren vielen Reisen durch die Galaxie noch nie etwas von einem Kirschenkuchen gehört hatte. Doch dann stimmte sie zu, und Pauli ging sogleich ins Haus zurück. Sie schlich ganz leise in die Küche und schnitt zwei Stücke aus dem frischen Kirschenkuchen. Mami wird bestimmt nicht böse sein, wenn ich ihr erzähle, dass die Stücke für Ziri waren, einer Königin von einem anderen Stern. Dann brachte sie die beiden Stücke Kirschkuchen Ziri, die noch vor ihrem Raumschiff wartete. Weil Ziri etwas Hunger hatte und der frische Kuchen köstlich duftete, aß sie sogleich eins der beiden Stücke auf.
"Hmmm... lecker" sagte Ziri entzückt, und steckte das andere Stück Kirschenkuchen in ihre Tasche. "Das war sehr nett von dir." fügte sie hinzu. Zum Dank für den leckeren Kirschkuchen schenke ich dir diesen goldenen Ring. Passe gut auf ihn auf weil es ist ein Zauberring. Er wird dich beschützen was immer du tust. Pauli legte den Ring sofort an ihren Finger, und er passte perfekt. Dann sagte Ziri. "So, jetzt muss ich los. In ein paar Jahren werde ich wieder kommen und dich besuchen." Dann stieg sie die schmale Treppe hinauf, schloss die Luke, und das Raumschiff erhob sich langsam aus Mamis Gemüsegarten. Als es gerade über dem Haus schwebte winkte Pauli dem Raumschiff hinterher und rief mit leiser Stimme "Guten Flug, und komme bald wieder!!". Struppi begann zwei Mal laut zu Bellen, aber Pauli machte gleich "ssschhhh" weil sie nicht wollte, dass die Nachbarn aufgeweckt werden. Dann ging sie wieder in ihr Zimmer und schief sofort ein. |