Luc, der kleine Pinguin.
von Karen Breiholz (Deutsch)
Pinguine leben schon seit Jahrmillionen auf der Südhalbkugel unserer Erde. Dort, in den großen Ozeanen ist ihr Zuhause. Wie auch das vom kleinen Pinguin Luc. Er schwamm so gerne im Wasser und spielte mit den Wellen. Er liebte es, wenn sie sich vor ihm auftürmten, dann wieder einstürzten und dabei jedes Mal etwas Krach machten. Doch eines Tages wurde Luc krank, weil er sich eine Flosse verletzt hatte. Er konnte nicht mehr so gut schwimmen und tauchen und Fische fangen. Pinguine jagen viele Fische, denn das ist ihre Hauptspeise. Aber der kleine Luc war nicht mehr schnell genug, um sie zu erwischen. Luc wurde immer schwächer. Wie lange würde es dauern, bis seine Flosse geheilt war und wovon sollte er sich solange ernähren?
Da kam ihm plötzlich eine Idee, denn er war ein schlauer Pinguin. Wenn er schon nicht mehr so gut schwimmen konnte, warum sollte er dann nicht irgendwo an Land gehen und dort nach etwas Essbarem suchen, dachte er. Luc machte sich hoffnungsvoll auf den Weg. Er nahm all seine Schwimmkräfte zusammen und schaffte es tatsächlich, auf trockenes Eis zu gelangen.
Das Eis fühlte sich kalt und glitschig an. Vorsichtig machte er seine Schritte. Einen vor den anderen, wie ein großer Pinguin, sagte er sich und schaute sich dabei in der fremden Gegend um.
Wenn Du Dich jetzt fragst, warum Luc eigentlich ganz alleine ohne seine Eltern unterwegs war, so ist die Antwort sehr traurig. Denn Luc war ein Waisenkind. Das heißt, dass seine Eltern gestorben sind, als sie von einer Robbe erwischt wurden. Das kommt im Leben der Pinguine leider manchmal vor. Doch Du brauchst keine Angst um den kleinen Luc zu haben, denn der kleine Luc gab sich nicht so schnell auf, weil ihm das Leben so viel Freude machte. Viel zu gerne genoss er jetzt im Sommer die zarten Sonnenstrahlen, die seinen Körper wärmten und im Winter freute er sich über riesige Eisflächen, auf denen er kilometerweit bäuchlings schlittern konnte.
Aber nun war er ja krank und seine Kräfte verließen ihn allmählich, so sehr er auch weitergehen wollte. Er konnte einfach nicht mehr und brach schließlich erschöpft auf dem Eis zusammen. Er lag da und harrte aus. Nicht aufgeben, dachte er immer wieder. Nicht aufgeben.
Da kam wie aus dem Nichts ein anderer Pinguin angewatschelt. Hast Du schon einmal einen Pinguin laufen sehen? Es sieht aus, als ob sie dabei ein wenig hin- und herschwanken.
Der andere Pinguin ging auf Luc zu und fragte ihn, warum er auf dem Eis lag und traurig aussah. Luc erzählte ihm seine Geschichte. Der andere Pinguin war davon ganz ergriffen und bot ihm sofort seine Hilfe an. „Komm, ich kenne eine gute Stelle zum Fischen, denn Du hast bestimmt großen Hunger,“ ermunterte dieser. „Ja“, sagte Luc leise und folgte dem anderen Pinguin. Er fühlte sich auf Anhieb wohl bei ihm, denn er schien ein gutes Herz zu haben. „Ich heiße übrigens Ringo“, sagte der andere Pinguin. „Ich heiße Luc“, sagte Luc und sie kamen zu einem kleinen Wasserloch an dem es vor Fischen nur so wimmelte. Ringo sprang als erster hinein und mit ein paar gekonnten Tricks angelte er sich einen Fisch aus dem Wasser. „Jetzt bist Du dran“, sagte Ringo, und wartete darauf, dass auch Luc untertauchte. „Ich kann nicht“, erwiderte Luc,“ meine Flosse ist doch verletzt. „Ach ja“, sagte Ringo und schaute sich seine Verletzung näher an. „Weißt Du was, dann hole ich Dir eben so viele Fische, wie Du brauchst. Kein Problem.“
Gesagt getan. Nach einem kurzen Tauchgang kam er mit drei Fischen wieder und gab sie Luc. „Danke“, sagte Luc, und fing sofort an zu essen. „Ist doch `ne Kleinigkeit“, lachte Ringo und setzte sich neben ihn. Luc aß und aß und wurde schließlich satt. „Jetzt bin ich müde“, gähnte er schon halbverschlafen. „Leg dich doch hier in die kleine Eismulde zum Schlafen. Ich passe auf Dich auf und morgen gehts Dir bestimmt schon viel besser.“
Und so war es auch. Am nächsten Tag wachte der kleine Luc erholt auf und seine Flosse sah schon ein klein wenig besser aus. Ringo war tatsächlich die ganze Nacht bei ihm gewesen.
So einen guten Freund hatte er noch nie und dabei hatte ihre Freundschaft gerade erst angefangen, dachte Luc. Er lächelte wieder ein bisschen. Es hatte sich für ihn gelohnt, nicht aufzugeben und er freute sich seines Lebens. |